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Sehnsuchtsort: Das Wohnprojekt mit Freundinnen

Sehnsuchtsort: Das Wohnprojekt mit Freundinnen

  • Text: Helene AecherliIllustration: Nicole Schmauser

Ein Stadthaus für drei gesetzte Damen ist Plan A. Plan B könnte dem eine quietschlebendige Wendung geben.

Irgendwann, vor langer Zeit, habe ich in einer Zeitschrift ein Bild gesehen, das mir nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte: Ein paar ältere Damen sitzen lachend in der Abendsonne auf der Terrasse ihres Hauses und trinken Wein. Das Mehrfamilienhaus hoch über dem Zürichsee, so stand es im Text, hatten sie gemeinsam gekauft und restauriert, um jetzt, im Alter, unter einem Dach zusammenzuleben. Jede Frau habe dabei ihre eigene Wohnung, man treffe sich zum Essen, Plaudern oder Diskutieren auf der Terrasse oder in der grossen Küche im Parterre. Und wenn eine von ihnen Hilfe brauche, müsse sie nur an die Tür klopfen oder zum Telefon greifen. Wie schön, dachte ich. Das könnte eines Tages auch etwas für mich sein.

Ich weiss, dass ich ein Gesellschaftstier bin, dass ich mich unter Menschen eher entspanne als allein in meinen vier Wänden und nie so lustvoll esse wie an einer grossen Tafel. Deshalb bin ich auch stets Feuer und Flamme, wenn ich mit meinen Freundinnen Samira (51) und Carmen (43) wieder mal einen besonders schönen Abend verbracht habe, wenn wir gekocht und die Unbill unserer Leben gewälzt haben und uns dann vornehmen, mit siebzig ein Haus zu kaufen, um Seite an Seite in einer netten Stadt, vielleicht in Basel oder Zürich, alt zu werden. Carmen schaut sich mittlerweile schon Häuser auf Homegate an und hat in der Regenerationsphase ihrer letzten Grippe sogar eins besichtigt.

Doch nach den ersten freudigen Seufzern über diese Besichtigung haben wir uns in einer emotionsgeladenen Debatte verfangen: Samira sieht uns in einer WG, ganz nah beieinander lebend, während Carmen und ich mit eigenen Wohnungen liebäugeln, weil wir denken, dass wir uns auch im Alter noch an Partnern erfreuen, dass wir alle ein eigenes soziales Umfeld haben, einen eigenen Lebensrhythmus, einen eigenen Einrichtungsstil. Dafür braucht es mehr als ein WG-Zimmer und ein Bad für alle, und das wi

Wieso eigentlich lauter Gleichaltrige?

In der Tat sind Alters-Hausgemeinschaften immer noch höchst selten. Es gibt in der Schweiz einzelne Beispiele, wie das Haus Sein in Bern oder das Solinsieme in St. Gallen. "Doch dort leben vor allem Menschen, die erst knapp über fünfzig sind", sagt Eva Eymann, Gerontologin und Projektleiterin bei Pro Senectute. "Man weiss nicht, wie es die Gemeinschaft beeinflussen wird, wenn sie hilfsbedürftig werden." Zudem hat sich gezeigt, so Eymann, dass Freundschaften nicht zwingend die beste Voraussetzung fürs Zusammenleben sind. "Freundschaften gründen auf Nähe und Distanz, dieses Spannungsfeld braucht es im Alter mehr denn je."

Bleibt also die Frage: Wie finde ich die richtigen Wohnpartner? Und: Sollen es wirklich nur ältere Menschen sein? Eva Eymann plädiert für generationenübergreifendes Wohnen, eine Form, die viel lebensorientierter sei als Altersgemeinschaften, da die verschiedenen Generationen nun mal zusammengehören. Und da, finde ich, hat sie recht. Inzwischen bin ich also dran, das Bild von früher sanft zu revidieren. Das fertige Gemälde könnte so aussehen: ich, die 70-Jährige, in einem Haus, Oper und Museen in Gehdistanz, mit gleichaltrigen Freunden, einigen 40-Jährigen, Teenies und quietschenden Babys. Ja, das ist es. So soll es sein.

Wohnen im Alter: www.age-stiftung.ch, www.wohnform50plus.ch.
Hausgemeinschaften: www.solinsieme.com (St. Gallen), www.haus-sein.ch (Bern)
Helene Aecherli (45) ist annabelle-Redaktorin